GUT KUTZEROW



2010-02-21_50


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Kutzerow liegt rund 12 Kilometer nordwestlich von Prenzlau. Die Häuser Kutzerow und Zernikow in der Uckermark wurden von Nachkommen des Hauses Cremzow begründet. Die Gutsanlage befindet sich am westlichen Ende des Ortes, nördlich der Dorfstraße. Sie besteht aus einem rechteckigen Wirtschaftshof, der an der westlichen Seite begrenzt wird durch ein Herrenhaus und ein Inspektorenhaus sowie an der Südseite durch zwei Wirtschaftsgebäude. Die historische Bebauung der Ost- und Nordseite fehlt; teilweise entstanden dort in jüngster Zeit moderne Zweckgebäude. Auf dem Gutshof hat sich ein größeres Areal mit alter Kopfsteinpflasterung bewahrt. Die einst zum Gut gehörenden Freiflächen, die sich nördlich der Dorfstraße an den Gutshof anschließen, besitzen keinen Denkmalwert, sind aber im Sinne des Umgebungsschutzes für die gesamte Anlage bedeutsam.

Als dominanter Baukörper der Anlage wirkt das etwa mittig an der
Westseite platzierte ehemalige Herrenhaus. Laut Quellen (u. a. Geschichte der Familie von Winterfeldt, S. 1201) wurde es 1740 errichtet. Im Verlauf der folgenden Jahrhunderte erlebte das Gebäude mehrfach Umbauten. Zu größeren Veränderungen kam es vor allem im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts, in den 1930er Jahren sowie besonders in der Phase nach 1945 mit der Umnutzung des Gebäudeinneren zu Wohnzwecken. Nach 1990 zogen die letzten Mieter aus, seitdem steht das Herrenhaus leer und ist vom Verfall bedroht.
Bei dem Gebäude handelt es sich im Kern um einen breitgelagerten zweigeschossigen Fachwerkbau mit hohem Mansardwalmdach. Die Stiele des Fachwerks sind relativ eng gestellt und pro Etage zweifach verriegelt, so daß die Gefache ein annähernd quadratisches Format aufweisen. Sie waren vermutlich schon immer mit Ziegeln ausgemauert. Ob man sie von Anbeginn auch verputzt hatte, lässt sich derzeit nicht eindeutig sagen. Das Fachwerk zeigt keinerlei Schmuck, lediglich die geschoßtrennende Saumschwelle zeichnet sich durch eine mehrfache Profilierung aus. An der
westlichen Front wurden bereits große Teile des Fachwerks massiv ersetzt und die Fensteröffnungen teilweise erheblich verändert. Noch weitgehend ursprünglich erlebbar ist jedoch die östliche, zum Wirtschaftshof gerichtete Fassade. Ihr Bild wird ganz maßgeblich bestimmt von axial angeordneten, hohen vierflügeligen Fenstern mit Kreuzstockteilung und hölzernen Blendrahmen. Der Eingang befindet sich zu ebener Erde in der Mittelachse. Er wird repräsentativ betont durch eine ädikularartige Rahmung aus seitlichen Pilastern und abschließendem Dreiecksgiebel. Im Architrav findet sich die Inschrift "Deus Pro nobis Quis Contra nos". Nicht erhalten hat sich die ursprüngliche Dachdeckung (Biberschwanzziegel); gegenwärtig dienen Eternietplatten als Dachhaut.
Das Innere des Herrenhauses wurde nach 1945 durch den Einbau mehrerer Wohnungen stark verändert. Dieser wird jedoch wiederhergestellt.
Der ursprüngliche Grundriss läßt sich sich jedoch erkennen. Prägende Elemente der Struktur waren vermutlich ein zentral angeordnetes, relativ bescheidenes Entrée, von dem aus früher die seitlich im Erdgeschoß angrenzenden größeren Gesellschaftszimmer sowie über eine schlichte Treppenanlage das Obergeschoß mit kleineren Wohnräumen erschlossen wurden. Aus der Bauzeit bzw. frühen Umbauphasen haben sich in den genannten Räumlichkeiten nur vereinzelt Ausstattungsdetails erhalten; hervorzuheben sind Dielenfußböden, Teile der Treppe, Türen, Türbeschläge sowie ein Oberlicht im Eingangsbereich. Überliefert ist das alte Dachwerk mit liegendem Stuhl und kräftiger Aussteifung im unteren und stehendem Stuhl im oberen Teil.
An der Nordseite erhielt das Herrenhaus im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts einen großen Saalanbau. Er wurde über einem hohen Sockel aus gespaltenem Feldstein als Massivbau mit glatt verputzten Fassaden und sehr flach geneigtem Satteldach ausgeführt. An den drei freistehenden Seiten reihen sich große Rechteckfenster mit Kreuzstock- und Sprossenteilung.
Innen war dieser „Ahnensaal“ einer der schönsten Gutssäle , die ich je gesehen habe. Der Saal im Inneren blieb in seiner ursprünglichen Größe erhaltenen, weist aber bis auf eine Loge mit Brettbaluster-Brüstung keine besonderen Ausstattungselemente auf.

Zur Südseite schließt an das Herrenhaus ein kleines eingeschossiges Gebäude mit Satteldach an. Im Kern handelt es sich um einen schlichten Fachwerk-Ziegel-Bau, der wohl um die Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet wurde. Welchem Zweck er einst diente, ist bislang nicht bekannt. Nachträgliche Veränderungen haben sein historisches Erscheinungsbild erheblich beeinträchtigt.
Das südlich benachbarte Inspektorenhaus entstand vermutlich etwas früher, noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ausgeführt wurde dieses Gebäude über Sockel aus gespaltenem Feldstein als wohlproportionierter massiver Putzbau mit Krüppelwalmdach. In den 1920er/30er Jahren kam es zu gravierenden Veränderungen sowohl am Äußeren wie auch im Inneren des Hauses (u. a. wohl Fenster- und Türöffnungen überformt, Fassadenneuputz, Dachausbau, Modifizierung des Grundrisses, Treppe und Zimmertüren erneuert). Nach 1945 folgten weitere Modernisierungen im Zusammenhang mit der Umnutzung des Hauses zu Wohnzwecken (u. a. rechte hofseitige Fassadenteil und nördlicher Giebel mit "Fachwerk" verkleidet). Aus der Bauzeit haben sich der tonnengewölbte Keller unter dem
südöstlichem Hausviertel und das Dachwerk mit doppelt stehendem Stuhl erhalten.

Im rechten Winkel zum Inspektorenhaus erstreckt sich entlang der Südseite des Wirtschaftshofes ein massiv ausgeführter zweigeschossiger Speicher mit hohem Satteldach (teilweise alte Biberschwanz-Splißdeckung erhalten). Seine hofseitige Ansicht wird funktionstypisch bestimmt durch kleine Fensteröffnungen, schlichte Brettertüren und Speicherluken sowie durch ein Aufzugshäuschen in der Dachfläche. Innen ist der Speicher im Erdgeschoß mit Betonstützen und -decken versehen, im Obergeschoß bestehen alle konstruktiven Teile aus Holz.
Nach
Osten folgt als zweites Wirtschaftsgebäude ein Stall mit Futterboden. Sein Erdgeschoß zeigt Mauerwerk aus gespaltenem Feldstein, das Obergeschoß ist massiv in rotem Ziegel ausgeführt. Als Gebäudeabschluß dient ein flach geneigtes Satteldach. Auf die frühere Nutzung als Stall verweisen mehrere halbhohe Fenster im Erdgeschoß sowie axial dazu angeordnete quadratische Lüftungsöffnungen und zwei große, durch einfache Brettertüren verschließbare Bodenluken im Obergeschoß. Den einzigen Fassadenschmuck bilden ein geschoßteilendes Deutsches Band und ein ca. 50 cm darüber verlaufender Formsteinfries (Kleeblattmotiv). Die zur Dorfstraße gerichtete Fassade des Gebäudes ähnelt der hofseitigen Ansicht, wirkt jedoch durch die geringere Anzahl von Öffnungen insgesamt sparsamer.

Gutshaus und Hof lagen zusammen, an den Hof schloß sich das Dorf an. Bauern gab es weder in zernikow noch in Kutzerow.
Auf der anderen Seite des Gutshauses lag der Park von 20 Morgen Größe.
Er wurde durch die Wasserfläche eines unterhalb des Hauses gelegenen Teiches belebt. Ein Bach, der Köhntop, durchfloss ihn. Er enthielt Forellen.

Die Gutsanlage hat erhebliche ortsgeschichtliche Bedeutung als Zeugnis, das unmittelbar an die uckermärkische Adelsfamilie von Winterfeldt und der Familie von Wedel und deren rund dreihundertjährige Herrschaft in Kutzerow erinnert. Bereits 1631 hatte Adam von Winterfeldt zu Menkin das hiesige Gut übernommen. 1740 l (1726) ieß einer seiner Nachfahren das jetzige Herrenhaus errichten, was u. a. für eine gewisse Solidität der örtlichen Gutsverhältnisse zu jener Zeit spricht. Die Gutsanlage dominierte damals zwar das Kutzerower Wirtschaftsleben, jedoch gab es hier im 18. Jahrhundert immerhin noch mehrere Bauern mit eigenem Ackerland. Während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es im Zuge der Landwirtschaftsreformen zu einem vollständigen Auskauf dieser Bauernstellen durch die Familie von Winterfeldt. Kutzerow wurde zu einem reinen Gutsdorf. Vermutlich stieg während dieser Phase der Verwaltungsaufwand, weshalb die Gutsherrschaft ein neues Inspektorenhaus errichten ließ. Erst etwas später folgten die stattlichen Wirtschaftsgebäude, deren Bau wohl notwendig war, weil sich mit der zunehmenden Mechanisierung in der Landwirtschaft die bisherigen Gebäudekapazitäten als zu gering erwiesen. Auf die letzte Herrschaftsetappe der von Winterfeldts verweist der Saalanbau. Er entstand im Auftrag des letzten männlichen Familiensprosses Reinhold von Winterfeldt. Anlaß war vermutlich
, daß er eine seiner vier Töchter, Luise von Winterfeldt, günstig unter die Haube bringen mußte und zu diesem Zweck standesgemäße Bälle durchführen wollte. 1870 bei Ausbruch des 1870/71 Krieges mit Frankreich vermählte sich Luise von Winterfeldt mit dem Leutnant Kurt von Wedel, in dessen Eigentum das Kutzerower Gut nach Zahlung von 300.000 Tälern nun überging. Luise und Kurt hatten 5 Kinder.
Das Niekammersche Güter -Adressbuch von 1929 gibt für Kutzerow folgende Größen an: 928 ha insgesamt, davon 90 ha Wiesen, 616 ha Acker imcl. Gärten , 26 ha Weisen, 164 ha Holzungen, 32 ha Umland.
Viehbestand: 93 Pferde, 195 Rindviecher und 119 Schweine.

Baugeschichtliche Bedeutung besitzt die Kutzerower Gutsanlage als aussagekräftiges Beispiel für die Entwicklung der märkischen Gutsarchitektur im 18. und 19. Jahrhundert. Den sichtlich ältesten Bestandteil bildet dabei das Herrenhaus. Es verkörpert einen früher auf den Gütern der märkischen Region sehr häufig anzutreffenden Gebäudetyp. Auftraggeber war vor allem der kleinere Landadel, der sich aufwendigere Massivbauten mit reichem Fassadenschmuck und anspruchsvollem Innenleben nicht leisten konnte. Dennoch war man auch in diesen Kreisen bemüht, den Bauten eine repräsentative Note im barocken Geschmack der Zeit zu verleihen. Als geeignete Mittel dafür erwiesen sich der symmetrische Fassadenaufbau, die axiale Anordnung der Fenster und der hohe Dachabschluß mit symmetrisch platzierten Schornsteinköpfen. Die hofseitige Ansicht des Kutzerower Herrenhaus macht solche Gestaltungsprinzipien bis heute sehr eindrücklich erlebbar. Trotz der zahlreichen nachträglichen Umbauten vermittelt auch das Innere bei genauerer Betrachtung noch konkrete Vorstellungen über die bauliche Ausprägung und funktionelle Gliederung eines Herrenhauses dieser Stilepoche.
Maßgeblich mitgetragen wird die baugeschichtliche Bedeutung der Anlage von den drei jüngeren Gebäuden. Anhand ihrer Lage und Architektur läßt sich ihre ursprüngliche Zweckbestimmung noch sehr eindeutig ablesen. Gemeinsam mit dem Herrenhaus dokumentieren sie anschaulich das bauliche Wachstum der Kutzerower Gutsanlage im 19. Jahrhundert. Hinsichtlich Konstruktion und Material stellen sie zugleich jeweils sehr typische Architekturzeugnisse für ihre Zeit dar.

Erhaltenswert ist die Gutsanlage darüber hinaus aus städtebaulichen Gründen. Die zugehörigen Gebäude heben sich durch ihren Standort und ihre aufwendigere Architektur deutlich von der sonstigen Dorfbebauung ab. Trotz der bereits fehlenden Teile sind sie für den Betrachter noch heute als funktionelle und gestalterische Einheit erlebbar. Als historisch gewachsene Gesamtanlage prägt der Gutsbereich mit den genannten Gebäuden das Ortsbild von Kutzerow sehr nachhaltig und wirkt zudem innerhalb der uckermärkischen Kulturlandschaft als typisches Element.

Zwei Jahrzehnte stand der Gutshof Kutzerow der Öffentlichkeit verschlossen.
Zwar wuchsen keine Rosen um das alte „Schloss“ wie bei Dornröschen, doch die Natur begann schon, sich vom alten Park aus ihr Terrain zurückzuerobern.
Seit 2012 betreibt der Hausherr auf dem Gutshof seinen Verkauf und Ankauf von Historischen Fahrzeugen und restauriert dort auch seine Fahrzeuge. Jetzt nutzt der Hausherr Michael Schneider wieder den Tag des offenen Denkmals, um am Sonntag, dem 13. September 2015, um von 11 bis 17 Uhr zur Besichtigung des Areals mit seiner Schmiede einzuladen. Die Leidenschaft des Wahluckermärkers gilt offensichtlich Vergangenem. Mit seiner Frau hatte er das Gutshaus im benachbarten Taschenberg entdeckt und als neues Heim eingerichtet.
Ebenso findet an diesem Sonntag den 13.9.2015 auch ein offenes Oldtimertreffen statt.


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